Sie seilten Grossvater vorsichtig in die Grube ab, als ich meine Fruchtblase platzen liess. In einem Schwall spritzte die dunkle Flüssigkeit meiner Mutter zwischen die Füsse. Ihre Augen weiteten sich und tief aus ihrem Rachen betäubte ein kehliger Laut wie eine Kreissäge die Gehörgänge der Trauergemeinde. Die sechs greisen Träger liessen verschreckt die Seile fahren. Der Sarg krachte dumpf in die Grube. Drinnen entfuhr Grossvater durch die Erschütterung ein letzter befreiender Rülpser. Pfarrer Meier liess seine aufgeschlagene Bibel mit einem Jessesmariaundjosef fallen, Oma brachte ein halb ersticktes Grunzen hervor und rammte ihren Kopf im Umfallen rückwärts gegen einen Grabstein.
Meine Mutter stand stocksteif daneben, starrte auf die dunkle Blutlache zwischen ihren Beinen und kreischte weiter. Ich war noch nicht geboren, da war die Welt nicht mehr die, die sie hätte sein sollen. Einen Augenblick später flutschte ich Kopf voran aus meiner warmen Höhle. Das erste, was ich fühlte, war ein dumpfer Schmerz in meinem Kopf. Das erste, was ich sah, war das grosse Geheimnis, das sich unter dem Rock aller Frauen verbirgt. Ich brüllte los.
In Grossvaters Sarg lag ein Hauch von abgestandener Blutwurst, Rösti und Bier. Und am Grabstein eines gewissen Jakob Büchli liesse sich noch heute ein Stück verkrustetes, dunkles Blut meiner unglücklichen Grossmutter mit den Fingernägeln abkratzen.